Metallindustrie: Keimzelle der Industrialisierung
Stahl war in der ersten industriellen Revolution der Treiber schlechthin. Inzwischen hat sich die Lage verändert: Stahlerzeugung und Stahlprodukte stehen im Weltmarkt unter hohem Konkurrenzdruck. Sogar Schwellenländer wie Indien haben Deutschland in der Stahlproduktion überholt. Hinter China, Japan, den USA, Russland, Südkorea und Indien liegt Deutschland nun auf dem siebten Platz. Trotzdem ist die Stahl- und Metallverarbeitung bei uns eine beeindruckende Größe geblieben. Das liegt vor allem daran, dass in Deutschland Stähle und Metalle zu Halbzeugen und Fertigprodukten verarbeitet werden, die in ihrer Qualität, Präzision und Spezialität kaum sonst am Weltmarkt zu finden sind. Aus der Massenproduktion ist überwiegend eine Nischenproduktion geworden.
Stahl und Metalle sind immer noch spitze
Gerade in den Nischen des Stahl- und Metallbedarfs kann die deutsche Metallindustrie glänzen. Große Bedeutung kommt dabei in Zukunft neuen Entwicklungen wie Manganstählen und Verbundstoffen aus Stahl, Aluminium und Kunststoffen zu. Nach wie vor wird die Hauptmenge an Stahl in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland erzeugt. Demzufolge konzentriert sich auch die Verarbeitung auf Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland NRW. Fast die Hälfte der in der Interessenvertretung dieser Industrie organisierten Betriebe produziert in diesem Bundesland. Jeder fünfte Arbeitsplatz der Metall- und Elektroindustrie in NRW wird von der Stahl- und Metallverarbeitung gestellt. Diese Quote wird nur noch vom Maschinenbau übertroffen.
- 2006 gehörten zur Stahl- und Metallverarbeitung rund 4.400 Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten.
- Der Branchenumsatz betrug etwa 72,4 Mrd. EUR.
- Nach Umsatz- und Beschäftigtenzahl zählt die Stahl- und Metallverarbeitung zu den zehn großen Industriezweigen in Deutschland.
- Die Unternehmen dieser Industrie verarbeiten mehr als 18 Mio. Tonnen Stahl pro Jahr.
Was wird produziert?
Das Produktionsspektrum der Stahl- und metallverarbeitenden Industrie ist breit gefächert. Es umfasst Konsumgüter, Investitionsgüter, Zulieferteile. Im Groben sind das folgende Erzeugnisse:
. Vorprodukte
Z.B. Blankstahl, Kaltband, Kaltprofile, gezogener Draht, (Präzisions-) Stahlrohre
. Teile
geschmiedet, gepresst, gestanzt, gezogen, gesintert, gedreht, gebogen, geschweißt
. Enderzeugnisse
Z.B. Bauzuliefererzeugnisse, Betonstahl, Bürogeräte, Heimwerker-Produkte, Drahtgewebe und -seile, Federn, Flansche und Rohrverbinder, Gartengeräte, Industrieschilder, Schrauben, Schweißzusätze, Tore, Sport-Waffen und Munition, wehrtechnisches Gerät
. Industrielle Dienstleistungen
Z.B. Oberflächen- und Wärmebehandlung, mechanische Bearbeitung
Metallindustrie
Die Unternehmen der Metallindustrie lassen sich in folgende Bereiche gliedern:
- Stahlindustrie mit etwa 94.000 Beschäftigten und knapp 100 Unternehmen
- Nichteisen (NE)-Metallwirtschaft mit etwa 112.000 Beschäftigten in 660 Betrieben. Zu den NE-Metallen zählen
- Leichtmetalle (Aluminium, Magnesium, Titan)
- Buntmetalle (Kupfer, Blei, Zink, Zinn, Nickel
- Edel- und Sondermetalle (Gold, Platin) - Gießereiindustrie (Eisen-, Stahl- und Temperguss) mit etwa 42.000 Beschäftigten in 267 Betrieben
- Stahl- und Metallverarbeitung mit etwa 440.000 Beschäftigten in rund 4.400 Unternehmen
